Smarte Mobilität: Autonomer Bus der Provinz Gelderland an die Hochschule Rhein-Waal übergeben

30.11.2021 0 Kommentare

Automatisiertes Fahren ist die Zukunftstechnologie für Logistik und Verkehr. Doch bis diese Fahrzeuge flächendeckend eingesetzt werden können, müssen noch viele Fragen beantwortet werden – nicht nur technologische, auch gesellschaftliche oder sicherheitstechnische. Für die Erforschung dieser Fragen übergab die Provinz Gelderland am 24. November 2021 der Hochschule Rhein-Waal einen autonom fahrenden Bus.

Der Bus wird an der Hochschule Rhein-Waal in Zukunft in interdisziplinärer Zusammenarbeit mehrerer Fakultäten unter die Lupe genommen: In Lehre und Forschung nähern sich Hochschulbeschäftigte dabei den unterschiedlichsten Fragestellungen, diese können u.a. sein: Wie kann man das Vertrauen von Nutzer*innen in autonome Busse verbessern? Worauf achten die Testpersonen, wenn sie den Shuttle betreten bzw. während der Fahrt? Wie kann man auf interaktiven Anzeigedisplays all die Informationen aus verschiedenen Quellen (Sensorik, Bilderkennung) übersichtlich und optimal für die Nutzer*innen darstellen? Außerdem können neue Batterietechnologien erprobt und optimiert und Pfadplanungsalgorithmen in Simulation und Hardware entwickelt werden.

Das Treffen wurde ebenfalls genutzt, um über das Zukunftspotenzial selbstfahrender Busse, den damit einhergehenden Veränderungen in der Ausbildung von Kfz-Mechaniker*innen bzw. Maschinenbauer*innen und den aktuellen Stand der Technik zu diskutieren.

Abschließend konnten alle Interessierten eine Probefahrt mit dem WEpod, einem selbstfahrenden Bus, absolvieren und sich vom Stand der Technik auf dem Parkplatz des Technova Colleges selbst überzeugen. Der WEpod war ursprünglich als autonomer Shuttle zwischen dem Bahnhof Ede-Wageningen und der Universität Wageningen geplant und wird momentan in der Lehre am Technova College eingesetzt.

Damit wird das Zukunftsthema „automatisiertes Fahren“ aus den unterschiedlichen Fachdisziplinen wie Technologie, Verhaltenswissenschaften oder Künstliche Intelligenz untersucht. An diesem Vorhaben sind besonders die Fakultäten Gesellschaft und Ökonomie, Technologie und Bionik, aber auch Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal beteiligt. Über die Hochschule hinaus sind die Hogeschool van Arnhem en Nijmegen (HAN) sowie verschiedene Berufskollegs auf deutscher und niederländischer Seite beteiligt. „Der Bus ist Anlass dieser einzigartigen Zusammenarbeit und soll als eine Art Innovationsvehikel dienen, an dem verschiedene deutsche und niederländische Berufskollegs und Hochschulen gemeinsam arbeiten, um das Zukunftsthema des automatisierten Fahrens sowohl in Lehre als auch Forschung anzugehen“, so Dr. Oliver Locker-Grütjen, Präsident der Hochschule Rhein-Waal.

Von links nach rechts: Jessica Römer, Koordinatorin Living Lab Autonomer ÖPNV (HSRW), Dr. Carina Goldbach (HSRW), Prof. Dr. Jörn Sickmann, Leiter Living Lab Autonomer ÖPNV (HSRW), Güldilek Köylüoglu Alabas, Koordinatorin Gesamtprojekt CONUS (UDE), Elham Naderipour (UDE), Kilian Bartsch, Koordinator Living Lab Autonomer ÖPNV, Deniz Kayar (HSRW)
© Zentrum für Logistik und Verkehr, UDE

Innerhalb der Euregio Rhein-Waal besteht seit vielen Jahrzehnten eine gute und intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit in vielen wichtigen Bereichen. Einer dieser Bereiche ist die „Mobilität der Zukunft“ mittels hochautomatisierter Fahrzeuge, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Einerseits als möglicher Beitrag für einen zukunftsbeständigen ÖPNV, andererseits aber auch als notwendiger Schritt zu einer klimagerechten und -neutralen Mobilität.

Hintergrund

Sowohl die Provinz Gelderland als auch die Hochschule Rhein-Waal sind bereits seit vielen Jahren auf dem Gebiet „Smart Mobility“ aktiv. Im Rahmen eines Living Labs des vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderten Projekts CONUS forscht die Hochschule Rhein-Waal gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen aktuell zum Thema Autonomer ÖPNV. Aus dem im Dezember 2020 erfolgreich abgeschlossenen Interreg Projekt „I-AT“ heraus, hat die Provinz Gelderland beschlossen, die beiden im Projekt genutzten automatisierten Shuttles kostenfrei an Bildungseinrichtungen zu übertragen, um die Weiterentwicklung im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und zu festigen. Eines der Fahrzeuge ist bei der HAN und dem ROC (Berufskolleg) A12 Technova im Einsatz, das zweite Fahrzeug wurde an die Hochschule Rhein-Waal übertragen. Es handelt sich um sechssitzige Shuttles, die mit Hilfe von GPS, 3D-Bildern und Radar fahren. Es sind nicht serienreife Individualanfertigungen. Neben dem Fahrzeug selbst werden auch Erfahrungen und Software aus dem I-AT Projekt bereitgestellt.

Um dieses Zukunftsthema auch in der Bildungslandschaft noch stärker ankommen zu lassen, haben die Hochschulen, die HAN und die HSRW, vereinbart, auf Basis der beiden identischen Shuttles eine grenzüberschreitenden Kooperation unter Beteiligung der Berufskollegs in der NL-NRW Grenzregion aufzubauen. Die Euregio Rhein Waal begrüßt und begleitet diese Kooperation. Mit der formalen Übergabe des Shuttles durch die Regionalministerin für Mobilität der Provinz Gelderland, Gedeputeerde Frau Christianne van der Wal, an den Präsidenten der Hochschule Rhein-Waal, Dr. Oliver Locker-Grütjen, am 24. November 2021 wurde der Startschuss für diese einzigartige Zusammenarbeit gegeben.

Bildnachweis

Von links nach rechts: Hochschulpräsident Dr. Oliver Locker-Grütjen, Sjaak Kamps, Direktor der Euregio Rhein-Waal, Prof. Dr. Jörn Sickmann, Leiter des Living Labs Autonomer ÖPNV des Netzwerks CONUS und Professor für Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Industrieökonomie und Unternehmensfinanzierung an der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie im Austausch mit Regionalministerin für Mobilität der Provinz Gelderland, Gedeputeerde Frau Christianne van der Wal. Moderation: Sven Robertz, ehemaliger Projektleiter Interreg I-AT Projekt

© André Ruckriegel / Hochschule Rhein-Waal

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