Recycling – mehr als nur Altpapier und Mehrwegflasche

28.12.2021 0 Kommentare

Die Geschichte des Recyclings in Deutschland

1996 trat in Deutschland das erste Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft. In einer Pressemitteilung erklärte die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel, dass Abfälle nun erstmals einer Verwertung zugeführt werden sollten. Abfälle durften laut Gesetz erst dann endgültig beseitigt werden, wenn eine Verwertung in Form eines Recyclings nicht mehr möglich war. Im aktuellen Kreislaufwirtschaftsgesetz aus dem Jahre 2012 wird ‚Recycling‘ als Verwertungsverfahren angesehen, welches aus Abfällen neue Erzeugnisse generiert. (1), (2)

Arten des Recyclings

Grundsätzlich wird beim Recycling zwischen der Verwertung und der Wiederverwendung von Abfällen unterschieden.

  • Bei der (stofflichen) Verwertung wird das Abfallprodukt in seine Grundstoffe zerlegt. Auf diese Weise kann aus einem Abfallprodukt sowohl das gleiche Produkt (PET-Flasche zu PET-Flasche) als auch ein völlig anderes Produkt (Altkleider zu Putzlappen) hergestellt werden.
  • Eine Wiederverwendung von Abfällen finden immer dann statt, wenn das Abfallprodukt für den gleichen Zweck wiederverwendet wird. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Mehrwegflasche, die nach der Nutzung gereinigt und wieder befüllt werden kann.

Einen Sonderfall bildet das chemische Recycling, bei dem die Abfälle mittels spezieller chemischer Verfahren bis in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt werden. So können beispielsweise stark verschmutze Kunststoffe wieder in ein Ausgangsprodukt zur Kunststoffherstellung umgewandelt werden. (3)

Upcycling versus Downcycling

Bei der stofflichen Nutzung von Abfällen für neue Produkte unterscheidet man zwischen zwei Arten. Die Unterscheidung hängt dabei von der Qualität des neu erzeugten Produktes ab.

Upcycling versus Downcycling

Bei der stofflichen Nutzung von Abfällen für neue Produkte unterscheidet man zwischen zwei Arten. Die Unterscheidung hängt dabei von der Qualität des neu erzeugten Produktes ab.

  • Altkleider, die zum Beispiel zu Putzlappen verwertet werden, erfahren ein sogenanntes Downcycling. Das bedeutet, aus einem hochwertigen Ausgangsmaterial entsteht ein minderwertigeres Produkt. Diese stehen in der Regel am Ende ihres Produktlebenszyklus und können nach dem Gebrauch dann nur noch entsorgt werden.
  • Upcycling hingegen beschreibt das Gegenteil: aus einem minderwertigen Material wird ein hochwertigeres Produkt geschaffen. Ein Beispiel hierfür bietet das Modelabel Hehlerei, welches Merchandise für Bands und Kulturschaffende anfertigt. Dabei greift das Unternehmen auf Kleiderspenden zurück und wertet diese mit verschiedenen Techniken auf. (4)

Recycling in Kreisläufen

Das Recycling von Abfällen ermöglicht den Sprung von einem linearen zu einem kreislaufförmigen Produktlebenszyklus. Allerdings gibt es auch an dieser Stelle zwei wesentliche Unterscheidungen.

  • Open-loop Recycling, also Recycling in offenen Kreisläufen beschreibt einen Prozess, der lediglich eine Verzögerung der endgültigen Entsorgung von Materialien bedeutet. In der Regel geht das Open-loop Recycling mit einer Verschlechterung der Materialqualität einher, also einem Downcycling des Abfallprodukts. Bei jedem Recyclingvorgang gehen wertvolle Ressourcen bzw. Produkteigenschaften verloren. Als Beispiel können Altkleider herangezogen werden. Die gesammelten Textilien werden zerrissen und zu Fußmatten verarbeitet. Die textilen Bestandteile werden dabei mit einer Gummischicht verbunden. Nach dem Gebrauchsende der Fußmatte können die einzelnen Komponenten jedoch nicht mehr wirtschaftlich voneinander getrennt werden. Das ursprüngliche Material, die textile Faser, ist demnach nach nur einem Recyclingvorgang unwiederbringlich verloren.
  • Closed-loop Recycling, ist ein Recycling in einem geschlossenen Kreislauf und ermöglicht damit eine nahezu unendliche Wiederverwendung von Ressourcen ohne signifikanten Qualitätsverlust. Voraussetzung dafür ist die Herstellung von Produkten, die ohne Materialverlust und Abfallentstehung in ihre Ausgangsmaterialien aufgetrennt werden können. Eines der bekanntesten Beispiele für ein solches Produkt ist die Aluminiumdose, bei der das recycelte Aluminium ohne Beeinträchtigung der Produktqualität immer und immer wieder verwendet werden kann. (5)

Fazit

Um nachhaltiges Wirtschaften in Zukunft zu ermöglichen, bedarf es mehr kreislauffähiger Recyclingsysteme. Ziel sollte sein, unsere Ressourcen so oft wie möglich (im Idealfall endlos) in Recyclingkreisläufen zu erhalten. Dafür bedarf es sowohl neuer technischer Verfahren wie z.B. dem chemischen Recycling von EEDEN GerMan UG als auch einem Umdenken bei dem Produktdesign. Bereits während des Designprozesses von Textilien muss die Entsorgung und eine entsprechende Recyclingfähigkeit berücksichtigt werden. Zusätzlich müssen Unternehmen besser über die Vorteile und Möglichkeiten von verschiedenen Recyclingmethoden aufgeklärt werden. Eine Information über die Recyclingfähigkeit der Textilien könnte dem Endkunden die Thematik bewusster machen und seine Kaufentscheidung positiv beeinflussen (denkbar wäre ein Hinweis auf dem Pflegeetikett). Aufgabe der Forschung muss es sein, neue Verfahren zur Trennung von Mischerzeugnissen zu entwickeln und alternative Faserstoffe zu untersuchen. Nicht zuletzt sollte es ein Überdenken des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und eine Änderung der gesetzlichen Anforderungen zum Thema Recycling geben.

Quellen:

(1) Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2012): Kreislaufwirtschaftsgesetz. KrWG, § 3 Begriffsbestimmungen.

(2) Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (1996): Das Kreislaufwirtschaftsgesetz tritt in Kraft, Pressemitteilung 39/96.

(3) Westdeutscher Rundfunk Köln (2021): Das solltest du über Recycling wissen, https://www.quarks.de/umwelt/muell/das-solltest-du-ueber-recycling-wissen/#l%C3%B6sung2, (Zugriff am 29.11.2021).

(4) Hehlerei GbR (2021): Das Bündnis für textile Delikte, https://www.hehlerei.eu/, (Zugriff am 20.12.2021).

(5) The Pennsylvania State University – College of Earth and Mineral Sciences (Hrsg.): Recycling: open-loop versus closed-loop thinking, https://www.e-education.psu.edu/eme807/node/624, (Zugriff am: 01.12.2021).

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